Information zum Projekt "Stadtbahn2020" der Stadt Dresden und dem dazu laufenden Beteiligungsverfahren

Sehr geehrte Anwohner der Nürnberger Straße in der Dresdner Südvorstadt, Sehr geehrte Bürger der Stadt Dresden, Liebe Studenten!

So grün, wie auf diesem Bild, wird es hier möglicherweise, wenn es nach dem Willen der DVB-AG geht, bald nicht mehr aussehen. Diese hat die Planung zum Projekt "Stadtbahn2020" in Auftrag gegeben und bei der Stadt beantragt, dass diesem stattgegeben wird. Die Planung sieht vor, eine zweigleisige Straßenbahntrasse mit eigenem Gleisbett über die Nossener Brücke und die Nürnberger Straße zu führen und später über den Zelleschen Weg bis zum Wasaplatz zu verlängern.

Dieses Gleisbett mit einer Breite von 6,65m soll in der Mitte der weiterhin vierspurigen Straße liegen. Dieses soll noch beidseitig von einem 3m breiten Grünstreifen flankiert werden, welcher abschnittsweise auch als Abbiegespur oder Busspur fungiert. Diese Streifen sollen auch mit Bäumen bepflanzt werden. Aufgrund des geringen Platzes eingepfercht zwischen Gleisbett und Straße dürfte diese Pflanzung aber relativ sinnfrei sein. Sollten sie, wider Erwarten doch groß werden, müssten sie wieder gefällt werden, denn sie würden in Konflikt mit den Oberleitungen der Straßenbahn geraten und ihr Laub auf die Straße abwerfen. In dem zu beiden Seiten hin verdichteten Boden kann sich auch das Wurzelwerk nicht entfalten und die Bäume würden ab einer bestimmten Größe an Wassermangel eingehen. Nur um sich das einmal vorzustellen: die gesamte Fahrbahn, inklusive der Straßenbahntrasse und den angrenzenden Seitenstreifen in der Mitte der jeweils 2 Fahrspuren, wäre dann etwa doppelt so breit wie jetzt! Die Radwege sollen beidseitig auf 1,80m (derzeit 1,10m - 1,50m) verbreitert werden. Hinzu kommen noch Gehwege von 4,50m Breite (derzeit ca. 6,50m - 6,70m) und Haltestellen. Im Zuge dessen soll der jetzige Grünstreifen, welcher in Richtung Nossener Brücke auf der rechten Seite liegt, etwa um die Hälfte reduziert werden. Sämtliche Gehölze, die jetzt dort stehen, sowie z.T. auch in den Einmündungen der Seitenstraßen, sollen entfallen. Im Planfeststellungsentwurf steht dazu lapidar:

"Die durch das Vorhaben zum Großteil wegfallenden Gehölzbestände entlang der Nürnberger Straße und den Seitenstraßen sind entsprechend planerisch in der Freiraumgestaltung zu berücksichtigen."

Der Wahnsinn würde im Anschluß zur Nürnberger Straße natürlich weitergehen:

Die Nossener Brücke müßte zunächst komplett auf allen Teilabschnitten abgerissen und anschließend verbreitert neu gebaut werden, wodurch auch die Habitate links und rechts der Brücke im Bereich der Zwickauer Straße zerstört würden.

Auf dem Zelleschen Weg müßten im späteren Verlauf ebenfalls sämtliche Bäume auf dem Mittelstreifen und am Straßenrand gefällt werden und das sind nicht wenige!! So viel zum Thema: "Studieren in Dresden soll attraktiver werden", denn der Zellesche Weg geht direkt an der TU und der SLUB vorbei. Derzeit gehört die Achse Nossener Brücke - Nürberger Str. - Zellescher Weg wohl zu den schönsten Fahrradstrecken durch die Stadt. Schließlich müßte die Straßenbahn über den unteren Teil der Caspar-David-Friedrich-Str. irgendwie zum Wasaplatz geleitet werden, was für die Anwohner dort sicher auch nicht lustig werden würde.

Gefährdet würde die Gesundheit der Anwohner, sowohl durch zusätzlichen Lärm durch die Straßenbahn, sowie eine höhere Lärm- und Abgasbelastung durch den übrigen Verkehr, da die Fahrspuren auf beiden Seiten wesentlich näher an die Wohnbebauung herankommen würden. Im Feststellungsentwurf heißt es dazu:

"Im Ergebnis wird festgestellt, dass der durch das Vorhaben bedingte erhebliche bauliche Eingriff an der Straße zu einer wesentlichen Änderung im Sinne von § 1 Abs. 2 der 16. BIm-SchV bei gleichzeitiger Überschreitung des jeweiligen Immissionsgrenzwertes an 27 Gebäuden und 30 Außenwohnbereichen (Balkonen) führt. Im Bereich der Neubaustrecke werden durch den Straßenbahnverkehr an 55 Gebäuden und 37 Außenwohnbereichen die Immissionsgrenzwerte überschritten. Vom Straßenverkehrslärm (Kfz-Verkehr) sind insgesamt 27 Gebäude und 30 Außenwohnbereiche betroffen. Davon sind 15 Gebäude und 27 Außenwohnbereiche
(Balkone) sowohl durch die Stadtbahn als auch durch den Kfz-Verkehr betroffen."

Die Dimension des gesamten Vorhabens wird auch dadurch ersichtlich, daß allein für den Teilabschnitt 1.2 zwischen Freiberger Straße und dem Nürnberger Ei über 80 Mio. Euro Baukosten und 5 Jahre Bauzeit geplant sind. Von den Belastungen, welche in dieser Zeit sowohl auf die Anwohner, wie auf alle, die auf dieser Strecke unterwegs sind (egal ob mit PKW, Fahrrad oder ÖPNV, sowie auch den Anwohnern der Umleitungsstrecken) zukommt, möchte ich gar nicht sprechen.

Noch ist es nicht zu spät, sich dagegen zu wehren, da zur Zeit gerade das Beteiligungsverfahren zum Projekt Stadtbahn2020 läuft, welches zum 02.07.2021 endet und an welchem alle Bürger und Einwohner der Stadt Dresden und Interessenvertreter teilnehmen können.

Information dazu: Link

Ich möchte alle, die es betrifft, hiermit aufrufen und ermutigen, sich auch daran zu beteiligen!

Gern können Sie mir auch eine E-Mail senden an:

nuernbergerstr@mail.de

Wenn Sie sich selbst ein Bild von den veröffentlichten Planungsunterlagen machen möchten, ist hier der Link:

https://www.dresden.de/de/stadtraum/planen/stadtentwicklung/offenlagen/Stadtbahn-2020.php

Hier werden auch alle Einzelheiten zum Beteiligungsverfahren selbst erläutert.

Hoffen wir das beste für die Zukunft unserer Stadt!

Mit freundlichen Grüßen

Gregor Greipel

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